
Dr. mad. bull. F.A. Lunkwitz
Ich konnte den derzeitigen Firmenchefs des Familienunternehmens, Dr. mad. bull. F.A. Lunkwitz, vor wenigen Stunden zu einem Exklusivinterview treffen.
Farlion Inside:
Herr Lunkwitz, ich begrüße Sie hier als Vertreter eines erfolgreichen Unternehmens in der Konfliktbereinigung.
F.A. Lunkwitz:
Ja, ja, schon gut. Haben Sie das Geld dabei?
FI:
Sie wollen tatsächlich Geld für das Interview? Ich dachte, Sie machen einen Scherz!?!
F.A.L.:
Wenn es um Geld geht, scherze ich nicht. Glauben Sie, wir sind durch Wohltätigkeit ein so großes Unternehmen geworden?
FI:
Ähm, natürlich nicht. Hier bitte, Ihr Geld, wie gewünscht in bar. (Anm. Farlion: Ich werde nachher um Spenden bitten)
F.A.L.:
Na also, es geht doch. Dann heiße ich Sie herzlich Willkommen. Was möchten Sie wissen?
FI:
Dr. Lunkwitz, wie sie eben bereits äußerten, arbeiten sie nie umsonst. Warum jetzt diese Ausnahme in der Vermittlerrolle beim Stuttgart 21-Konflikt?
F.A.L.:
Wieso Ausnahme? Wir verdienen uns dumm und dämlich an der Vermittlung.
FI:
Ähm... Wer bezahlt Sie denn für ihre Vermittlungsarbeit und können Sie unter diesen Umständen überhaupt neutral bleiben?
F.A.L.:
Wir werden von beiden Seiten bezahlt. Sowohl die Stuttgart 21-Gegner, als auch die Befürworter mussten uns während der Vorverhandlungen jeweils einen Koffer voll Bargeld überreichen. Der Inhalt des Koffers sollte dem Wert der Interessen einer jeden Gruppe entsprechen.
FI:
...und Sie vermitteln im Interesse des Meistbietenden?
F.A.L.:
Nein, das ist zum einen völlig unmöglich, weil wir die Koffer direkt bei einem unabhängigen Notar hinterlegt haben, der alleine weiß, wie hoch die Inhalte sind. Auf der anderen Seite hätten wir gar keinen Vorteil davon, für eine einzige Seite zu arbeiten.
FI:
Haben Sie persönlich denn gar keine Meinung die pro oder contra Stuttgart 21 ist?
F.A.L.:
Festgelegte Meinungen senken die Gewinnspanne. Da wir ein gewinnorientiertes Unternehmen mit professionellem Kalkül sind, lassen wir solchen Unsinn wie "Ideale" oder "politische Legitimation" völlig außen vor.
FI:
Das Geschäftsmodell Ihres Unternehmens ist ja... nennen wir es "zweifelhaft". Warum werden Sie dann immer wieder als Vermittler in Konflikten herbeigezogen?
F.A.L.:
Jetzt reden Sie Unsinn. Unser Geschäftsmodell ist nicht zweifelhaft. Wir sind geldgierig ohne Ende und würden dafür auch über Leichen gehen, solange unsere Kunden zufrieden sind und zahlen. Und da bei Konfliktvermittlungen beide Gruppen zahlen, ist Neutralität unsererseits garantiert. Denn nur mit absoluter Neutralität werden wir jederzeit wieder als Konfliktvermittler engagiert, was wiederum unsere Gewinnspanne steigert.
FI:
Und was passiert, wenn sich eine der Konfliktparteien entschließt, die Verhandlungen abzubrechen oder Ihr Unternehmen als Vermittler nicht mehr anzuerkennen?
F.A.L.:
Das wird zu 100% nicht passieren.
FI:
Wie können Sie da so sicher sein? Selbst der seriöse Heiner Geißler sitzt ja bereits nach wenigen Tagen auf einem wackeligen Vermittlerstuhl.
F.A.L.:
Das war abzusehen. Herr Geißler mag politischer Vollprofi sein, in Konfliktvermittlung fehlt ihm allerdings einfach die Praxis. Alleine die Tatsache, dass der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg seiner Partei angehört, macht ihn denkbar ungeeignet für den Job. Unser Unternehmen hat bereits im Jahre 1999 die Zeichen der Zeit erkannt und in beide Konfliktlager Undercover-Mitarbeiter eingeschleust. Diese Mitarbeiter konnten sich bis in die Spitzen der beiden Konfliktparteien emporarbeiten und sammelten dabei "Überzeugungsmaterial", das den Ausstieg einer der Parteien nahezu unmöglich macht. Wir nennen das "Projektinvestition".
FI:
Sie sprechen von Erpressung?
F.A.L.:
Nein, ich spreche von Überzeugung. Erpressung wäre es, wenn wir nicht mit der Vermittlung beauftragt worden wären und die gesammelten, belastenden Daten ohne jegliche Legitimierung zur eigenen Bereicherung einsetzen würden. Das wiederum würde uns aber für zukünftige Konflikte die Kunden kosten und langfristig unsere Gewinne schmälern, was wiederum unserer Firmenmaxime widerspricht.
FI:
Sie haben ja zweifellos die Demonstrationen und die Berichterstattung darüber zurückverfolgt. Was sagen Sie zu den Vorfällen am 30.09.2010 und wer war wirklich schuld.
F.A.L.:
In dieser Situation wurde von beiden Seiten sehr dilletantisch vorgegangen. Zum Beispiel schlampte die Polizei deutlich, als sie einen steroidgepushten Türsteher aus dem Rotlichtmillieu die Aufgabe anvertrauten, einen ganzen Einsatzzug zu leiten. Der zweite große Fehler war der Einsatz eines Agent Provocateurs, der die Schutzpolster seines Kampfanzugs unter einer dünnen Windjacke trug und dann auch noch mit seinem Dienstpfefferspray auf die Kollegen zielte. Genausogut hätte er sich ein Clownsgesicht auf sein Helmvisier malen können und wahllos in die Menge schießen können. Und dann schließlich noch der Einsatz der Wasserwerfer - völlig unangemessen und übertrieben. Ich meine, es ging um eine Schülerdemo! Nichts wäre demotivierender für die Schüler gewesen, als wenn man sich einige von ihnen herausgegriffen, übers Knie gelegt und ihnen den Hintern versohlt hätte. Wasserwerfer sind außerdem später wesentlich schlechter aus Beweisbildern herauszuretuschieren. Auch das nachträgliche Einschwärzen von Timestamps in Beweisvideos wird sich noch als äußerst ungeschickt erweisen und gewaltig an der Glaubwürdigkeit der Verantwortlichen kratzen.
FI:
Interessante Sich der Dinge. Was aber haben die Demonstranten falsch gemacht?
F.A.L.:
Demonstranten sind in der Regel Idealisten. Ihnen mit ausgefeilten Strategieplänen zu kommen ist schwierig, denn die meisten Strategien widersprechen ihren Idealen. Hätten die Demonstranten sich beispielsweise bei mir Rat geholt, ich hätte dafür gesorgt, dass ein kleines Heer von Special-Effects-Technikern und Maskenbildnern vor Ort gewesen wär. Wir hätten fantastische Arbeit leisten können. Nichts macht sich besser in einem Beweisvideo, als ein Kopf, der beim Auftreffen eines Wasserstrahls in tausend Stücke zerplatzt. Wir hätten so furcherregende Wunden, offene Brüche und ähnliches zaubern können, ohne dass jemand zu Schaden gekommen wäre. Stattdessen riskierten die Demonstranten Leben und Gesundheit, um ihre Ideale zu zeigen. Ich hoffe, sie haben daraus gelernt und wenden sich eventuell zukünftig auch mal an uns. Wir ermöglichen sogar Ermäßigungen bei Schülerdemonstrationen.
FI:
In der Stellungnahme eines Politikers heißt es, viele der Protestierenden wären "Berufsdemonstranten", was meinen Sie dazu?
F.A.L.:
Hohnepiepeliger Unfug. Die mussten ja sogar für unsere Vermittlergebühr die Sammeldosen herumgehen lassen. Und glauben Sie mir, es hat lange gedauert, bis die erste Dose voll zurück kam. Wenn jemand etwas von Berufsdemonstranten versteht, bin ich das. Unser Unternehmen beschäftigt schließlich zahlreiche studentische Hilfskräfte für eben diesen Zweck.
FI:
Ich habe gehört, Ihre Strategien, Vorgehensweisen und Geschäftsmodelle würden mit wissenschaftlicher Unterstützung entwickelt. Ist das wahr?
F.A.L.:
Das stimmt. Wir lassen all unsere Taktiken und Vorgehensweisen von Wissenschaftlern der Freigemauerten Universität Tiefenbach prüfen und gegebenenfalls verbessern. So hilft uns die dortige Fakultät für verwirrende Verhaltensforschung bei der psychologischen Beurteilung unserer Techniken, die Fakultät für gezielte Meinungsbildung unterstützt uns bei unseren Taktiken der Massen- und Medienmanipulation und die Fakultät für kultivierte Politologie erarbeitet für uns Strategien zur Beeinflussung ganzer Regierungen und internationaler Organisationen. Im Gegenzug finanzieren wir der Universität die Forschungsarbeiten, stiften Lehrgebäude und vergeben Stipendien für potentielle spätere Mitarbeiter unseres Unternehmens.
FI:
Wie sehen Sie die Zukunft der Landesregierung von Baden-Württemberg?
F.A.L.:
Sehen wir es mal realistisch: Diese Landesregierung ist am Ende. Herr Mappus, Herr Rech und die gesamte Spätzleconnection werden bei der nächsten Wahl keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen. Sie haben den Boden der Spätzleschüssel erreicht, sind fertig, völlig hinüber und eigentlich schon nur noch auf dem Papier existent. Und nach der Zahlung an uns sind sie auch nicht in der Verfassung, sich unser Unternehmen für eine glaubhafte Massenmanipulation erneut leisten zu können. Die zukünftige Regierung brauch sich allerdings nicht sorgen, die Zahlung des Vermittlerhonorars ist nicht partei- oder personenbezogen und gilt über den gesamten Zeitraum der Vermittlungsdauer.
FI:
Wie sehen jetzt Ihre nächsten Schritte aus?
F.A.L.:
Zunächst werde ich Ihren Umschlag in unserem Tresor einlagern. Anschließend werde ich mich an den Kontoauszügen dieser Woche erfreuen und auf den Anruf aus Stuttgart warten, dass der Amateurvermittler Geißler das Schlachtfeld geräumt hat. Dann sehe ich weiter.
FI:
Dr. Lunkwitz, ich danke Ihnen für das Interview.
F.A.L.:
Kein Problem, Sie haben ja dafür bezahlt. Vergessen Sie nur nicht, unsere Werbung am Ende des Beitrags unterzubringen.
Dieses Interview kostete mich eine riesige Stange Geld. Aufgeschlossene Leser werden um Spenden gebeten. Auch Sachspenden sind willkommen. So wollte ich schon immer eine Villa in der Provence, eine 45-Meter-Yacht oder einen knallroten Countach Diablo besitzen.





