Wer in diesen Tagen Arbeitslosengeld II, besser bekannt als Hartz-IV erhält, der kommt sich nicht mehr wie ein Mensch vor, sondern wie ein ungeliebter Missstand, auf dessen Kosten sich Politiker aller Coleur profilieren möchten. Hartz-IV-Empfänger zählen nicht mehr als Menschen, sie sind mittlerweile auf einen Kostenfaktor reduziert worden, auf eine Pestbeule im kränkelnden Haushalt von Bund, Ländern und Kommunen und das auf der Basis von Lügen, Lobbyismus und Irreführung.
Die Lüge vom Fördern und Fordern
Gestern trat unsere Bundeskanzlerin an die Öffentlichkeit und sprach wiedermal davon, dass die Menschen motiviert werden müssten, einen Weg aus der Arbeitslosigkeit zu suchen. Das klingt ähnlich dem Argument, das SPD und Grüne bei der Einführung von Hartz-IV schon vorbrachten, das "Fördern und Fordern".
Aber was wird denn gefördert? Seit der Einführung von Hartz-IV werden Facharbeiter in Jobs gepresst, für die sie überqualifiziert sind und in denen sie weit unter dem Niveau bezahlt werden, das sie normalerweise in ihrem Beruf bekommen würden. Geringer qualifizierte Arbeitslose, die in solchen Bereichen gerne arbeiten würden bleiben auf der Strecke, dafür wird aber über das Fehlen von Facharbeitern auf der anderen Seite gejammert.
Ich selbst kenne beispielsweise einen Maschinenbauer, der von der Agentur für Arbeit erst in 1-Euro-Jobs und dann in Leiharbeit gepresst wurde, weil der Sachbearbeiter absolut keine Motivation aufwies, ihm bei der Findung eines angemessenen Jobs zu helfen. Mittlerweile arbeitet er übrigens als Maschinenbauer in Norwegen und bekommt dort zusätzlich Fortbildungen zur Weiterqualifizierung. Warum geht das in Deutschland nicht?
In Deutschland heißt es: Ein Arbeitsloser muss in ein Arbeitsverhältnis gebracht werden, egal unter welchen Bedingungen, damit die entsprechende Regierung sich sinkender Arbeitslosenzahlen brüsten kann. Selbst Arbeitslose in sogenannten "Maßnahmen", fallen aus der Statistik raus und werden als "Beschäftigte" schöngeredet.
Wer sich gegen Arbeit, die weit unter seinem Ausbildungsniveau liegt oder Dumpinglöhne beinhaltet wehrt, der wird mit drakonischen Strafmaßnahmen wie Kürzung oder Sperre des Arbeitslosengeldes bestraft. Das ist das Fordern. Gefördert wird dagegen so gut wie gar nicht. Staatliche Weiterbildungsmaßnahmen sind kaum existent, der Import von Facharbeitern per Greencard wird der Qualifizierung der eigenen Arbeitslosen vorgezogen. Das nennen unsere Politiker dann "Förderung".
Auch bei der Arbeitssuche selbst werden Hartz-IV-Opfer vor teilweise unüberwindbare Hindernisse gestellt. Bewerbungskosten und Fahrten zu Bewerbungsgesprächen werden zwar teilweise erstattet, aber der Arbeitslose muss erstmal in Vorkasse gehen. Das die meisten Hartz-IV-Empfänger über kein eigenes Fahrzeug mehr besitzen, sind sie auf den teuren Nahverkehr angewiesen. In meiner Region kostet eine Fahrt in die Kreisstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln 5,-Euro (ohne Rückfahrt). Dazu kommt noch, dass die meisten Unternehmen mittlerweile nur noch Bewerbungen akzeptieren, die am Computer geschrieben und ausgedruckt wurden. Ich habe mal mit einer Mitarbeiterin der hier ansässigen Arge darüber gesprochen, die ohne Zögern auch antwortete, dass der Besitz eines Computers mittlerweile Normalität wäre und die Anschaffung vom Arbeitslosengeld II bewerkstelligt werden müsse. Ah ja...
Die Lüge von der Teilhabe
Hartz-IV soll, so sagen es jedenfalls die Aussagen von Politikern immer wieder, nicht das Existenzminimum bedeuten, sondern auch noch eine gewisse "Teilhabe am sozialen Leben" beinhalten. Gerade diese Teilhabe am sozialen Leben ist aber schon lange nicht mehr gewährleistet. 359,- Euro, von denen der Lebensunterhalt, Strom, Telefon, Kleidung und Verschleißgegenstände des normalen Lebens bestritten werden müssen, lassen keinen Platz für Teilhabe am sozialen Leben, wie beispielsweise der Mitgliedschaft in Vereinen und der daraus resultierenden Zusatzkosten, wie sportliches Equipment, Fahrten zu Veranstaltungen oder ähnliches. Es mag zwar gehen, dann aber eindeutig auf Kosten der Ernährung, die mit dem aktuellen ALG-II-Satz ohnehin schon lange nicht mehr ausgewogen und gesund möglich ist.
Oft hört und liest man darüber, dass Politiker sich über die Hartz-IV-Empfänger echauffieren, die den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und die Wohnung nicht mehr verlassen. Ihnen wird dann gerne Faulheit und Desinteresse vorgeworfen. Fakt ist aber, dass viele Langzeitarbeitslose sich gar kein soziales Umfeld mehr leisten können und oftmals aus Scham die Wohnung nicht mehr verlassen, weil der Öffentlichkeit von der Politik und den Medien immer wieder das Bild des arbeitsscheuen, trinkenden Faulpelzes vermittelt wird. Mittlerweile wurde sogar in verschiedenen Studien festgestellt, dass Hartz-IV einen ganz eigenen Druck auf die Menschen ausübt, der oftmals darin endet, dass Hartz-IV die Betroffenen krank macht. Sowas wird von der Politik natürlich ignoriert.
Übrigens: ganz schlecht dran sind Menschen, die über "ganz normale" Beeinträchtigungen verfügen. So müssen Hartz-IV-Empfänger beispielsweise für die Kosten ihrer Brillen (Gläser und Gestelle) zu 100% selbst aufkommen.
Der Hartz-IV-Empfänger als Sündenbock
Vor dem großen Bankencrash stand Deutschland vor einem ausgeglichenen Haushalt, trotz Hartz-IV. Der Bankencrash verursachte ein riesiges Loch im Haushalt, das vom Bund ohne Zögern sofort mit ebenso großen Beträgen gestopft wurde. Warum aber müssen jetzt die Ärmsten der Armen dafür herhalten? Der Arbeitslose wird von der Bundesregierung dafür verantwortlich gemacht, dass die Banker und Spekulanten, darüber auch einige Banken mit Staatsbeteiligung, die Karre an die Wand fuhren. Und während die Verursacher der Krise glimpflich davon kamen, muss der Hartz-IV-Empfänger jetzt dafür bluten, denn er hat nicht die Möglichkeiten, sich so zu wehren, wie das Kapital es kann.
Dementsprechend wunderte es mich auch letzte Woche nicht, dass unsere Bundeskanzlerin die millionenschweren Prämienzahlungen an die HRE-Pleitemanager verteidigte und nur 2 Minuten später wieder die bösen Arbeitslosen in den Vordergrund schob.
Sandkastenspiele, Kindergartenverhalten und "Das hassu nun davon"
Unerträglich für jeden Hartz-IV-Empfänger ist allerdings, dass mittlerweile zum Spielball der Politiker verkommen ist.
Die Regierung wird gerichtlich mit Fristsetzung zu einer anderen Berechnung des Bedarfssatzes verurteilt, die Opposition jubelt, Hartz-IV-Empfänger schöpfen Hoffnung und schon geht es los:
Für jedes Argument der Befürworter einer Erhöhung zeigt die Regierung "Wir sind an der Macht!" und kontert mit einer Kürzungsmöglichkeit nach der anderen. Heizkostenzuschuss? Hartz-IV-Empfänger können doch dicke Kleidung tragen, die brauchen doch keine Heizung. Dann nehmen sie Internet in die Warenkorbliste auf und streichen den geringen Satz an Alkohol- und Zigaretten, den der Wahrenkorb enthält. Es sind übrigens ca. 13,-Euro, die der Warenkorb für diese Genussmittel enthält, was auf aktuellem Preisniveau etwa dem Stand von 3 Schachteln Zigaretten im Monat entspricht. Hier wird um jeden Cent geschachert und der Hartz-IV-Empfänger kommt sich vor wie ein Tier, über dessen artgerechte Erhaltung gestritten wird.
Die Heuchler von der Opposition
SPD und Grüne sind übrigens nicht minder schlimm, als CDU/CSU und FDP. Sie gehen mit ihren Forderungen nach Erhöhung an die Medien, reden von sozialer Gerechtigkeit und meinen anscheinend, alle Arbeitslosen leiden an Alzheimer oder anderen Arten von Demenz. Denn sowohl Hartz-IV als auch der Slogan "Fördern und Fordern" sind Konstrukte der rot-grünen Regierung. Anstatt sich jetzt Umfragehochs zu erschleichen, sollten sie sich erstmal für den Mist entschuldigen, den sie den Arbeitslosen eingebrockt haben. Rot-Grün sind nicht die Retter in der Not, als die sie sich jetzt darstellen, sie sind die Verursacher der ganzen Hartz-IV-Misere und üben sich jetzt in scheinheiliger Weltverbesserer-Rolle. Ich persönlich kann derzeit gar nicht eruieren, bei welchen Aussagen ich mehr kotzen könnte: bei den menschenverachtenden Ansichten der schwarz-gelben Regierung oder bei der heuchlerischen Argumentation der rot-grünen Ex-Regierung-Jetzt-Opposition.
Der deutsche Wähler - dumm oder naiv?
Eine Frage habe ich dabei immer im Hinterkopf: Ist der deutsche Wähler eigentlich nur zu dumm, aus der CDU/FDP und der Vergangenheit zu lernen oder ist er so naiv, zu glauben, sein Job sei auf ewig sicher? Wer heute Merkel und Co noch zustimmt, könnte bei der nächsten Krise schon selbst auf der Straße sitzen, das hat die Vergangenheit oft genug bewiesen. Die Arbeitslosen selbst sind eine Minderheit und können sich alleine nicht wehren, sie haben ja nichtmal das Geld, um an einer entsprechenden Demo in Berlin teilnehmen zu können. Aber unsere arbeitende Bevölkerung sollte mal daran denken, dass der größte Teil der Arbeitslosen selbst über viele Jahre gearbeitet hat und nicht freiwillig da gelandet ist, wo er jetzt steht.
Als Abschluss eine kleine, bildliche Interpretation:
Ich geh kotzen...
Sonntag, 26. September 2010
Hartz-IV-Empfänger, Sündenböcke und politische Spielzeuge
Freitag, 24. September 2010
Kurze Themen und Links des Tages
in Verbalterrorismus
um
11:46
Ich fange mal an mit gleich 3 Leseempfehlungen für netzpolitik.org:
HIV-positiv, na und? und HIV-positiv, na und? Teil 2
Netzpolitik-Autor Linus Neumann befindet sich momentan in Lesotho, Afrika, und berichtet Erschütterndes.
Zeitungen müssen Prüfungsthema in den Schulen werden
Die "Nationale Initiative Printmedien" sucht nach neuen Absatzfeldern für die die schwächelnden Auflagenzahlen und Markus Beckedahl fragt sich, warum einen Schritt zurück in die Zeitungskompetenz und nicht einen Schritt vor, in die Medienkompetenz.
Und hier noch ein paar kurz kommentierte Schlagzeilen aus den Medien:
"Deutlich unter 20 Euro": Hartz-IV-Erhöhung nur geringfügig / n-tv
ALG-II soll um maximal 20,-€ erhöht werden. Tabak und Alkohol sind zukünftig Luxus und wenn sie die Heizkostenpauschale streichen, bekommen ALG-II-Empfänger letztlich weniger als jetzt.
"Stuttgart 21": Baubranche verzweifelt an Deutschland / SpOn
Ein Jammerepos für die Baubranche, die sich in Deutschland anscheinend nur an den Großprojekten misst.
De Maizière provoziert FDP mit Sicherheitsgesetzen / Welt Online
"Duci novo, similis duci seneci" (hier kommt der neue Boss, er ist genauso wie der alte. Terry Pratchett)
Unser Innenminister zeigt seine heuchlerische Seite. Den einen erzählt er, die Daten der Bürger müssten geschützt werden, auf der anderen Seite fordert er eine Verlängerung und eine Verschärfung der ohnehin verschärften Sicherheitsgesetze.
Ein Jahr nach der Bundestagswahl: Schwarz-Gelb im Rekord-Tief / ZDF-Politbarometer
Nur ein Jahr brauchte die schwarz-gelbe Regierung, um die Beliebtheitskarre mit voller Wucht vor die Wand zu fahren. Bundeskanzlerin Merkel, die ja sonst so große Stücke auf Umfragen gibt, sollte mal darüber nachdenken, ob ihre Politik wirklich vom Volk gewollt ist.
"Flachbildschirme sind kein Symbol für Luxus" / Süddeutsche
Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, im Interview.
Das war erstmal, viel Spaß beim Lesen
HIV-positiv, na und? und HIV-positiv, na und? Teil 2
Netzpolitik-Autor Linus Neumann befindet sich momentan in Lesotho, Afrika, und berichtet Erschütterndes.
Zeitungen müssen Prüfungsthema in den Schulen werden
Die "Nationale Initiative Printmedien" sucht nach neuen Absatzfeldern für die die schwächelnden Auflagenzahlen und Markus Beckedahl fragt sich, warum einen Schritt zurück in die Zeitungskompetenz und nicht einen Schritt vor, in die Medienkompetenz.
Und hier noch ein paar kurz kommentierte Schlagzeilen aus den Medien:
"Deutlich unter 20 Euro": Hartz-IV-Erhöhung nur geringfügig / n-tv
ALG-II soll um maximal 20,-€ erhöht werden. Tabak und Alkohol sind zukünftig Luxus und wenn sie die Heizkostenpauschale streichen, bekommen ALG-II-Empfänger letztlich weniger als jetzt.
"Stuttgart 21": Baubranche verzweifelt an Deutschland / SpOn
Ein Jammerepos für die Baubranche, die sich in Deutschland anscheinend nur an den Großprojekten misst.
De Maizière provoziert FDP mit Sicherheitsgesetzen / Welt Online
"Duci novo, similis duci seneci" (hier kommt der neue Boss, er ist genauso wie der alte. Terry Pratchett)
Unser Innenminister zeigt seine heuchlerische Seite. Den einen erzählt er, die Daten der Bürger müssten geschützt werden, auf der anderen Seite fordert er eine Verlängerung und eine Verschärfung der ohnehin verschärften Sicherheitsgesetze.
Ein Jahr nach der Bundestagswahl: Schwarz-Gelb im Rekord-Tief / ZDF-Politbarometer
Nur ein Jahr brauchte die schwarz-gelbe Regierung, um die Beliebtheitskarre mit voller Wucht vor die Wand zu fahren. Bundeskanzlerin Merkel, die ja sonst so große Stücke auf Umfragen gibt, sollte mal darüber nachdenken, ob ihre Politik wirklich vom Volk gewollt ist.
"Flachbildschirme sind kein Symbol für Luxus" / Süddeutsche
Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, im Interview.
Das war erstmal, viel Spaß beim Lesen
Mittwoch, 22. September 2010
Qualitätsjournalisten sind feige
um
20:39
Gleich vorweg: Wenn ich von "Qualitätsjournalisten" schreibe, dann meine ich damit die selbsternannten, selbstherrlichen und selbstbezogenen Helden der Schreiberzunft, denen wir Amateure aus später noch geschilderten Gründen ein Dorn im Auge sind. Es gibt auch professionelle Journalisten, wie beispielsweise Stefan Niggemeier und Thomas Knüwer, die ich persönlich sehr schätze.
Gestern schrieb ich über den Stern-Schreiber Felix Disselhoff und seinen unsäglichen Bericht über Twitter und "das Web". Neben mir schrieben auch weizenspr.eu, BILDblog, Till Achinger, Literatur&Debatte, Digitalresident.de und Burks' Blog lesenswerte Artikel darüber.
Auch die Reaktionen auf Twitter zeigten deutlich, wie inhaltlich daneben der Autor beim Stern mit seinem kernkopierten Werk war.
Anders als Stern.de werde ich jetzt nicht anfangen, einzelne Tweets zu zitieren. Das würde zum einen den Rahmen sprengen und weiterhin wäre es auch wirklich unverzeihlich wenn ich einen der vielen originellen und guten Tweets vergessen würde. Darum einfach die Twittersuche nach #stern bemühen und sich selbst ein Bild machen.
Erst provozieren, dann abtauchen - die gängige Praxis schlechter Journalisten
Im Vergleich zum Amoklauf in Lörrach, der ja der Anlass zu Disselhoffs Webschelte war, ist die Zahl der Tweets zu Disselhoffs Artikel ungleich höher und selbst jetzt schlagen immer noch vereinzelt Ansichten und Meinungen ein, die dem Autor eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben sollten.
Felix Disselhoff hat die Twitternutzer und "das Web" (seine Worte!) herausgefordert und die Antworten darauf entlarvten ihn als arroganten, kopierenden, schlecht recherchierenden Lohnschreiber, ohne jegliche Motivation zu einer vernünftigen Hintergrundrecherche oder sachlichen Auseinandersetzung mit dem, was da getwittert wurde.
Stern.de selbst gibt unter dem Artikel den Lesern keinerlei Möglichkeit, zu dem Bericht Stellung zu nehmen und der Autor selbst hüllt sich in tiefes Schweigen und schreibt auch nicht ansatzweise nur einen Satz zu der Kritik an ihm oder den Vorwürfen bezüglich der geringen Qualität seiner Art von Journalismus. Fatal für ihn ist dabei die Tatsache, dass die Twitterreaktionen auf seinen Artikel ungleich höher sind, als die Tweets auf den Amoklauf selbst, was in logischer Konsequenz eigentlich einen Artikel wert sein müsste.
Aber ähnliches erlebt man seit Jahren immer wieder: Selbst ernannte "Qualitätsjournalisten", die sich mit dem gemeinen Internetpöbel anlegen, erstaunlich fundiert etwas auf die Nase bekommen, um im Anschluss daran den Kopf in den Sand zu stecken und es auszusitzen.
Die Spirale der (medialen) Gewalt dreht sich
So könnte die Schlagzeile in den professionellen Medienerzeugnissen klingen, wenn es beispielsweise um das Thema Blogs und Journalismus geht. Und tatsächlich kann man, mit genug schlechtem Geschmack wie dem meinen, durchaus Parallelen zu militärischen Konflikten ziehen.
Auch im mittlerweile seit Jahren anhalten Disput zwischen Bloggern und professionellen Medien läuft es in der Regel immer so ab:
Ein Journalist oder ein Medienunternehmen holt aus und startet den Erstschlag völlig unangebrachter Vorwürfe und Anschuldigungen gegen die -zumeist privaten- Blogger und Web-Autoren. Die Blogger schlagen zurück, teilweise emotional, teilweise jedoch auch sachlich fundiert und gut recherchiert. Und was viele der Blogger in diesem Moment auszeichnet ist die Tatsache, dass sie sich nicht die Blöße geben wollen, der professionellen Journallie eine Bestätigung ihrer Meinung auszustellen. Aus diesem Grund beißen sie sich fest, recherchieren intensiver und tauschen sich über Verlinkungen und Mails aus, bis sich aus vielen Einzelrecherchen ein demontierendes Gesamtbild ergibt, wie sich gestern wieder vorbildlich zeigte.
Die Profis ziehen sich angeschlagen zurück, jedoch ohne Stellung auf aktuelle Blogartikel zu beziehen und warten auf die nächste Gelegenheit, vermeintlich besser vorbereitet, wieder zuschlagen zu können. Und dann beginnt das Spiel von vorne: Wenige Journalisten versuchen durch Einzelrecherche ein großes Netz von Bloggern bloßzustellen und bekommt wieder etwas auf die Nase.
Auf diesem medialen Kriegsschauplatz sind die professionellen Medien zwar die Großmacht, sie erreichen Leserzahlen weit über denen einzelner Blogs, gleichzeitig sind sie aber auch die Verlierer, denn die Blogger verfügen über etwas, was den Profis aus Auflagen- und Marktanteilsdenken heraus mittlerweile völlig abhanden gekommen ist: Der Wille zur Vernetzung, zu gegenseitigem Informationsaustausch und zur Zusammenarbeit.
Rhetorik ist nicht gleichbedeutend mit Qualität
Oftmals wird die Ausdrucksweise der Blogger kritisiert. Sie ist den Profis nicht gewählt, nicht feinsinnig genug. Es fehle ihr an umschreibenden Formulierungen. Es stimmt, Blogger schreiben oftmals so, wie sie es in ihrem Leben gelernt haben oder wie sie von ihrer Umwelt geprägt wurden. Aber ist es denn so gravierend, ob da steht "Der stromlinienförmige Sportwagen verlor aufgrund der Straßenbeschaffenheit und den Witterungseinflüssen die Traktion..." oder "Der Porsche kam auf glattem Asphalt und durch den Regen ins Schleudern..."? Ist der ausformulierte Satz qualitativ besser? Nein, denn beide Sätze geben den gleichen Sachverhalt wieder, nur der zweite Satz ist eben so geschrieben, wie die Masse der Bevölkerung spricht und das ist kein Nachteil, denn ihn versteht jeder auf Anhieb.
Ich selbst schreibe auf eben diese Art. Natürlich könnte ich meine Artikel mit Fremdwörtern spicken, bei passenden und unpassenden Gelegenheiten Schriftsteller, Philosophen und andere Wortakrobaten zitieren, aber was würde mir das bringen? Es macht weder mich, noch meine Artikel besser und würde eventuell höchstens dazu führen, dass Leser davor zurückschrecken, sich in den Kommentaren mit mir auszutauschen, weil sie befürchten würden, sie wären mir rhetorisch vielleicht nicht gewachsen. Und DAS wäre mir absolut nicht recht, denn ich suche, ganz im Gegensatz zu vielen professionellen Medien, den Meinungsaustausch mit meinen Lesern.
Ein weiterer Vorteil der schlichten Schreibweise ist, dass der Leser aus meinen Texten zumeist schon klar erkennen kann, ob mich ein Thema bewegt, mich aufregt oder mich gleichgültig lässt. Kurz gesagt: mein Schreibstil gibt auch mein Interesse am Geschriebenen wieder. Ist es ein Fehler, dass ein Leser das Interesse des Autors an seinem Thema wahrnimmt? In meinen Augen nicht. Und darum halte ich es prinzipiell für falsch, Rhetorik mit Qualität gleichzusetzen.
Der Ruf nach dem Presserat
Felix Disselhoff schreibt, schon fast beleidigt wirkend:
Es ist richtig, der Pressekodex fühlt sich noch nicht zuständig für Blogs. Ob das immer so bleiben wird, das soll die Zukunft zeigen. Aber die meisten Blogger haben auch weder eine journalistische Ausbildung, noch betreiben sie ihre Blogs kommerziell. Viele geben einfach ihre persönliche Meinung wieder oder schildern etwas aus ihrer Sicht. Bei Twitter trifft das noch expliziter zu. Twitter ist in erster Linie ein Medium, auf dem Menschen ihre persönliche Meinung und persönliche Ansichten in Kurzform wiedergeben, ähnlich wie bei Gesprächen in der Kneipe, im Freundeskreis oder im Arbeitsumfeld. Wer bei Twitter schon nach dem Presserat ruft, der fordert in logischer Konsequenz die generelle Zensur von Meinungen und das kann es einfach nicht sein.
Ich persönlich könnte allerdings damit leben, wenn der Presserat mal mein Blog unter die Lupe nehmen würde. Ich glaube, ich käme mit verhältnismäßig Rügen im Vergleich zu den kommerziellen Medien weg. UND: Ich würde Rügen sogar an prominenter Stelle publizieren, denn mir fällt es nicht schwer, einen Fehler, der mir nachgeweisen wurde auch richtigzustellen.
Das Internet vergisst nichts
Dieser Satz wird oft zitiert, von wem er ursprünglich stammt, das weiß ich nicht. Fakt ist aber, dass gerade dieser Satz den professionellen "Qualitätsjournalisten" immer wieder den Hals bricht. Und wenn ich, der immer noch dran glaubt, dass der Journalismus irgendwann wirklich mal besser wird, daran denke, wie Herr Disselhoff sich in 10 Jahren bei einem neuen Arbeitgeber vorstellt, der ihn erstmal "googelt" und dann auf den Mist stößt, den er hier verzapft hat, dann gerät der Herr Dissehoff in ein echtes Dilemma. Denn wie erklärt man einem potentiellen Arbeitgeber, dass man sich als Profi von einer Hand voll Amateure vorführen lassen hat?
Und gerade dieses futuristische Dilemma lässt mich hoffen: Wenn wir heute schon in der Lage sind, die guten und die schlechten Journalisten durch simple Netzrecherche zu unterscheiden, vielleicht wird der Druck auf die Profis dann irgendwann groß genug, dass sie endlich qualitativ hochwertig recherchieren und schreiben und nicht ewig die Keule gegen uns Hobbyschreiber schwingen.
Noch ein letztes Wort zu Herrn Disselhoff
Bei Felix Disselhoff handelt es sich noch um einen verhältnismäßig jungen Journalisten. Darum hoffe ich für meinen Teil, dass er aus diesem Fauxpas gelernt hat und zukünftig vielleicht etwas mehr Sorgfalt sowohl bei Recherche, als auch beim Wahrheitsgehalt seiner Artikel beweist.
Gestern schrieb ich über den Stern-Schreiber Felix Disselhoff und seinen unsäglichen Bericht über Twitter und "das Web". Neben mir schrieben auch weizenspr.eu, BILDblog, Till Achinger, Literatur&Debatte, Digitalresident.de und Burks' Blog lesenswerte Artikel darüber.
Auch die Reaktionen auf Twitter zeigten deutlich, wie inhaltlich daneben der Autor beim Stern mit seinem kernkopierten Werk war.
Anders als Stern.de werde ich jetzt nicht anfangen, einzelne Tweets zu zitieren. Das würde zum einen den Rahmen sprengen und weiterhin wäre es auch wirklich unverzeihlich wenn ich einen der vielen originellen und guten Tweets vergessen würde. Darum einfach die Twittersuche nach #stern bemühen und sich selbst ein Bild machen.
Erst provozieren, dann abtauchen - die gängige Praxis schlechter Journalisten
Im Vergleich zum Amoklauf in Lörrach, der ja der Anlass zu Disselhoffs Webschelte war, ist die Zahl der Tweets zu Disselhoffs Artikel ungleich höher und selbst jetzt schlagen immer noch vereinzelt Ansichten und Meinungen ein, die dem Autor eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben sollten.
Felix Disselhoff hat die Twitternutzer und "das Web" (seine Worte!) herausgefordert und die Antworten darauf entlarvten ihn als arroganten, kopierenden, schlecht recherchierenden Lohnschreiber, ohne jegliche Motivation zu einer vernünftigen Hintergrundrecherche oder sachlichen Auseinandersetzung mit dem, was da getwittert wurde.
Stern.de selbst gibt unter dem Artikel den Lesern keinerlei Möglichkeit, zu dem Bericht Stellung zu nehmen und der Autor selbst hüllt sich in tiefes Schweigen und schreibt auch nicht ansatzweise nur einen Satz zu der Kritik an ihm oder den Vorwürfen bezüglich der geringen Qualität seiner Art von Journalismus. Fatal für ihn ist dabei die Tatsache, dass die Twitterreaktionen auf seinen Artikel ungleich höher sind, als die Tweets auf den Amoklauf selbst, was in logischer Konsequenz eigentlich einen Artikel wert sein müsste.
Aber ähnliches erlebt man seit Jahren immer wieder: Selbst ernannte "Qualitätsjournalisten", die sich mit dem gemeinen Internetpöbel anlegen, erstaunlich fundiert etwas auf die Nase bekommen, um im Anschluss daran den Kopf in den Sand zu stecken und es auszusitzen.
Die Spirale der (medialen) Gewalt dreht sich
So könnte die Schlagzeile in den professionellen Medienerzeugnissen klingen, wenn es beispielsweise um das Thema Blogs und Journalismus geht. Und tatsächlich kann man, mit genug schlechtem Geschmack wie dem meinen, durchaus Parallelen zu militärischen Konflikten ziehen.
Auch im mittlerweile seit Jahren anhalten Disput zwischen Bloggern und professionellen Medien läuft es in der Regel immer so ab:
Ein Journalist oder ein Medienunternehmen holt aus und startet den Erstschlag völlig unangebrachter Vorwürfe und Anschuldigungen gegen die -zumeist privaten- Blogger und Web-Autoren. Die Blogger schlagen zurück, teilweise emotional, teilweise jedoch auch sachlich fundiert und gut recherchiert. Und was viele der Blogger in diesem Moment auszeichnet ist die Tatsache, dass sie sich nicht die Blöße geben wollen, der professionellen Journallie eine Bestätigung ihrer Meinung auszustellen. Aus diesem Grund beißen sie sich fest, recherchieren intensiver und tauschen sich über Verlinkungen und Mails aus, bis sich aus vielen Einzelrecherchen ein demontierendes Gesamtbild ergibt, wie sich gestern wieder vorbildlich zeigte.
Die Profis ziehen sich angeschlagen zurück, jedoch ohne Stellung auf aktuelle Blogartikel zu beziehen und warten auf die nächste Gelegenheit, vermeintlich besser vorbereitet, wieder zuschlagen zu können. Und dann beginnt das Spiel von vorne: Wenige Journalisten versuchen durch Einzelrecherche ein großes Netz von Bloggern bloßzustellen und bekommt wieder etwas auf die Nase.
Auf diesem medialen Kriegsschauplatz sind die professionellen Medien zwar die Großmacht, sie erreichen Leserzahlen weit über denen einzelner Blogs, gleichzeitig sind sie aber auch die Verlierer, denn die Blogger verfügen über etwas, was den Profis aus Auflagen- und Marktanteilsdenken heraus mittlerweile völlig abhanden gekommen ist: Der Wille zur Vernetzung, zu gegenseitigem Informationsaustausch und zur Zusammenarbeit.
Rhetorik ist nicht gleichbedeutend mit Qualität
Oftmals wird die Ausdrucksweise der Blogger kritisiert. Sie ist den Profis nicht gewählt, nicht feinsinnig genug. Es fehle ihr an umschreibenden Formulierungen. Es stimmt, Blogger schreiben oftmals so, wie sie es in ihrem Leben gelernt haben oder wie sie von ihrer Umwelt geprägt wurden. Aber ist es denn so gravierend, ob da steht "Der stromlinienförmige Sportwagen verlor aufgrund der Straßenbeschaffenheit und den Witterungseinflüssen die Traktion..." oder "Der Porsche kam auf glattem Asphalt und durch den Regen ins Schleudern..."? Ist der ausformulierte Satz qualitativ besser? Nein, denn beide Sätze geben den gleichen Sachverhalt wieder, nur der zweite Satz ist eben so geschrieben, wie die Masse der Bevölkerung spricht und das ist kein Nachteil, denn ihn versteht jeder auf Anhieb.
Ich selbst schreibe auf eben diese Art. Natürlich könnte ich meine Artikel mit Fremdwörtern spicken, bei passenden und unpassenden Gelegenheiten Schriftsteller, Philosophen und andere Wortakrobaten zitieren, aber was würde mir das bringen? Es macht weder mich, noch meine Artikel besser und würde eventuell höchstens dazu führen, dass Leser davor zurückschrecken, sich in den Kommentaren mit mir auszutauschen, weil sie befürchten würden, sie wären mir rhetorisch vielleicht nicht gewachsen. Und DAS wäre mir absolut nicht recht, denn ich suche, ganz im Gegensatz zu vielen professionellen Medien, den Meinungsaustausch mit meinen Lesern.
Ein weiterer Vorteil der schlichten Schreibweise ist, dass der Leser aus meinen Texten zumeist schon klar erkennen kann, ob mich ein Thema bewegt, mich aufregt oder mich gleichgültig lässt. Kurz gesagt: mein Schreibstil gibt auch mein Interesse am Geschriebenen wieder. Ist es ein Fehler, dass ein Leser das Interesse des Autors an seinem Thema wahrnimmt? In meinen Augen nicht. Und darum halte ich es prinzipiell für falsch, Rhetorik mit Qualität gleichzusetzen.
Der Ruf nach dem Presserat
Felix Disselhoff schreibt, schon fast beleidigt wirkend:
Der Pressekodex gilt nun einmal nur für die Presse. Und nicht für ein Medium, welches von vielen fälschlicherweise als die Zukunft des Journalismus betrachtet wird.
Es ist richtig, der Pressekodex fühlt sich noch nicht zuständig für Blogs. Ob das immer so bleiben wird, das soll die Zukunft zeigen. Aber die meisten Blogger haben auch weder eine journalistische Ausbildung, noch betreiben sie ihre Blogs kommerziell. Viele geben einfach ihre persönliche Meinung wieder oder schildern etwas aus ihrer Sicht. Bei Twitter trifft das noch expliziter zu. Twitter ist in erster Linie ein Medium, auf dem Menschen ihre persönliche Meinung und persönliche Ansichten in Kurzform wiedergeben, ähnlich wie bei Gesprächen in der Kneipe, im Freundeskreis oder im Arbeitsumfeld. Wer bei Twitter schon nach dem Presserat ruft, der fordert in logischer Konsequenz die generelle Zensur von Meinungen und das kann es einfach nicht sein.
Ich persönlich könnte allerdings damit leben, wenn der Presserat mal mein Blog unter die Lupe nehmen würde. Ich glaube, ich käme mit verhältnismäßig Rügen im Vergleich zu den kommerziellen Medien weg. UND: Ich würde Rügen sogar an prominenter Stelle publizieren, denn mir fällt es nicht schwer, einen Fehler, der mir nachgeweisen wurde auch richtigzustellen.
Das Internet vergisst nichts
Dieser Satz wird oft zitiert, von wem er ursprünglich stammt, das weiß ich nicht. Fakt ist aber, dass gerade dieser Satz den professionellen "Qualitätsjournalisten" immer wieder den Hals bricht. Und wenn ich, der immer noch dran glaubt, dass der Journalismus irgendwann wirklich mal besser wird, daran denke, wie Herr Disselhoff sich in 10 Jahren bei einem neuen Arbeitgeber vorstellt, der ihn erstmal "googelt" und dann auf den Mist stößt, den er hier verzapft hat, dann gerät der Herr Dissehoff in ein echtes Dilemma. Denn wie erklärt man einem potentiellen Arbeitgeber, dass man sich als Profi von einer Hand voll Amateure vorführen lassen hat?
Und gerade dieses futuristische Dilemma lässt mich hoffen: Wenn wir heute schon in der Lage sind, die guten und die schlechten Journalisten durch simple Netzrecherche zu unterscheiden, vielleicht wird der Druck auf die Profis dann irgendwann groß genug, dass sie endlich qualitativ hochwertig recherchieren und schreiben und nicht ewig die Keule gegen uns Hobbyschreiber schwingen.
Noch ein letztes Wort zu Herrn Disselhoff
Bei Felix Disselhoff handelt es sich noch um einen verhältnismäßig jungen Journalisten. Darum hoffe ich für meinen Teil, dass er aus diesem Fauxpas gelernt hat und zukünftig vielleicht etwas mehr Sorgfalt sowohl bei Recherche, als auch beim Wahrheitsgehalt seiner Artikel beweist.
Heute Bastelarbeiten
Heute wird hier etwas gebastelt. Die Kategorien bekommen eigene Anstriche und die Domain farliblog.de wird hierher umgeleitet.
Dienstag, 21. September 2010
So zynisch ist Stern.de
um
20:51
Gestern hat Stern.de die User von Twitter, namentlich auch mich, einmal aufs Korn genommen und daraus ein schnelles Fazit gezogen, das wie folgt lautet:
Nun, zum Thema Fakten recherchieren schießt Stern.de sich hier schon das erste Eigentor. Twitter-Nutzer "Zyneasthesie" existiert nämlich gar nicht. Die richtige Schreibweise lautet nämlich zynaesthesie und wurde vom "Journalisten" Felix Disselhoff gleich mehrfach falsch geschrieben und bis heute nicht korrigiert.
Aber darauf will ich nicht hinaus. Fakt ist, dass Herr Disselhoff unseren Sarkasmus und Zynismus zwar kritisiert, die Hintergründe dazu allerdings - wahrscheinlich aus Unkenntnis - nicht annähernd richtig wiedergibt. So schreibt er beispielsweise
Lieber Herr Disselhoff, haben Sie die "Killerspiel-Debatte" überhaupt jemals richtig verfolgt oder auch nur die Statements der konservativen "Alles-Verbieten"-Politiker im Schnelldurchlauf konsumiert? Es wurden in der Vergangenheit zahlreiche, sehr gute und fundierte Argumente GEGEN ein Verbot angeführt. Hier von "erstmalig" zu reden, zeigt von einer journalistischen Qualität, die ich vielleicht von einem Praktikanten erwartet hätte, nicht aber von einem Journalisten, der darin geschult ist, Fakten zu recherchieren (siehe Zitat oben).
Aber kommen wir zurück zum Zynismus und Sarkasmus. Als ich meinen kritisierten Tweet
+++ Vermutlich Amoklauf in Lörrach. +++ Täter eine Frau. +++ Spielte wahrscheinlich Killerspiel "Hello Kitty Online"+++
ins Netz schickte, war noch gar nicht offiziell bekannt, dass es sich um einen "Amoklauf" handelte. Vielmehr bezeichneten zumindest die seriöseren Medien die Situation mit "unklar". Auch das scheint Herrn Disselhoff bei seiner gründlichen Recherche entgangen zu sein.
Ich habe mir jetzt mal die Mühe gemacht und die Berichterstattung von Stern.de über den Vorfall in Lörrach etwas genauer verfolgt. Was mir dabei auffiel möchte ich hier kurz anführen:
Was mir sofort aufgefallen ist, ist die hohe Zahl der Beiträge, die sich im direkten Zusammenhang mit dem Amoklauf auf Stern.de wiederfinden. Sage und schreibe 31 Artikel mit eigenständigen Texten konnte ich alleine durch die Suchfunktion auf Stern.de ausmachen. Dazu kommt eine Befeuerung des Nachrichtentickers (Kurznachrichten) teilweise im 15 Minuten Takt mit wiederholenden Meldungen.
Das ist es, was ich persönlich zynisch und sarkastisch nenne. Hier werden, auf Basis einer Tragödie, Page Impressions generiert, die meiner Meinung nach schlicht und einfach die Werbeeinahmen hochtreiben sollen. Dass zahlreiche dieser Artikel das gleiche Subthema enthalten, spricht für meine Theorie und das nenne ich nicht nur zynisch, das nenne ich geschmackloser als alles, was bei Twitter durch die Tweets ging.
Ich zähle mal kurz auf, allerdings ohne zu verlinken, schlicht und einfach, um nicht auch noch für eine Pagerank-Steigerung mit verantwortlich zu sein.
Vier Tote nach Amoklauf: Das Familiendrama von Lörrach (Videobeitrag)
Wohnhausbrand und Amoklauf in Lörrach: Tödliche Schüsse im Krankenhaus
Lörrach: Tote und Verletzte bei Amoklauf in Klinik
Karte: Amoklauf in Lörrach (damit auch jeder Katastrophentourist den Weg findet (sic!))
Hintergrund: Minutenprotokoll des Amoklaufs
Bluttat in Lörrach: "Komm raus da, komm raus da!"
Blutbad in Lörrach Bilder einer unfassbaren Tat
Extra: Patienten und Klinik-Mitarbeiter werden betreut
Amoklauf in Lörrach: Eine Frau im Ausnahmezustand
Amoklauf in Lörrach: Anwältin tötete Familie vor Explosion
Amokläuferin von Lörrach: Die rätselhafte Todesschützin
Bluttat von Lörrach: Amokläuferin erstickte ihren Sohn
Amoklauf in Lörrach: Kind mit Plastiktüte erstickt
Bluttat von Lörrach: Amokläuferin war eine Sportschützin
Report: Mit 300 Schuss Munition ins Krankenhaus
Amoklauf: Suche nach Motiv läuft auf Hochtouren
Anwältin läuft Amok in Lörrach: War es ein Sorgerechtsstreit?
Amoklauf in Lörrach: Warum tötete die Rechtsanwältin? Video
Amoklauf in Baden-Württemberg: Polizei geht von Beziehungstat aus
Amoklauf von Lörrach: Staatsanwalt geht von Beziehungstat aus Video
Staatsanwalt: Amokläuferin hat ihre Familie getötet
Nach Amoklauf: Diskussion über Waffenrecht
Nach Amoklauf: Debatte um schärferes Waffenrecht
Nach Amoklauf in Lörrach: Bosbach lehnt Waffenverbot ab
Deutscher Schützenbund beklagt «Generalverdächtigungen»
Amoklauf in Lörrach: Warum Frauen seltener zum Rächer werden Psychologische Begutachtung
Chronologie: Amokläuferinnen eher selten
Frauen laufen nur nach extremen Kränkungen Amok eine weitere psychologische Meinung
Das nenne ich mal kommerzielles Ausschlachten einer menschlichen Tragödie.
Lieber Herr Dusselhoff, ich bin Blogger und ich twittere. Ich bin im Internet seit nunmehr 15 Jahren bekannt für meinen Sarkasmus und meinen Zynismus und ich bin ehrlich und stehe dazu. Aber die Geschmacklosigkeit, einen solchen Vorfall kommerziell so gnadenlos auszuschlachten und sich dann auch noch über die vermeintlich bösen Internetnutzer herzumachen, das ist kein hochwertiger und gut recherchierter Journalismus, das ist geschmacklose Effekthascherei. Aber in einer Sache gebe ich dem Herren dann doch recht: Dazu sind wir Internetschreiber nun wirklich nicht in der Lage! (oder wir sind uns einfach zu gut für so ein Verhalten...)
Nachtrag:
Till Achinger hat herausgefunden, dass der gut recherchierende Herr Disselhoff weite Teile seines Textes schlicht und einfach inhaltlich kopiert hat - aus einem Artikel seines Kollegen Gerd Blank zum *Tataaa Fanfare Nummer 1* Amoklauf in Winnenden, und zwar bei *Tatataaa Fanfare Nummer 2* Stern.de.
Wäre ich der Chefredakteur des Stern-Online-Ressorts, ich würde Herrn Disselhoff mit sofortiger Wirkung zum Kaffeeholer degradieren - und selbst dafür müsste er noch Geld mitbringen, statt es zu bekommen.
Ich schließe hier mal mit der Leseempfehlung auf zwei weitere Artikel, die sich mit Stern.de in diesem Zusammenhang beschäftigen:
Von Amokläufen und Kotzorgien - weizenspr.eu
Ausgebildet und sensibel - BILDblog
Das Problem ist wie so oft nicht die Nachricht, sondern wie mit ihr umgegangen wird. Während ausgebildete Journalisten darin geschult sind, sensibel mit Daten von Personen umzugehen und Fakten zu recherchieren, steht hingegen bei Twitter die Meinung schnell fest. Der Pressekodex gilt nun einmal nur für die Presse. Und nicht für ein Medium, welches von vielen fälschlicherweise als die Zukunft des Journalismus betrachtet wird. Nur vergleichweise wenige User teilen Neuigkeiten über den Tathergang mit anderen Usern. Zynische Statements überwiegen.
Nun, zum Thema Fakten recherchieren schießt Stern.de sich hier schon das erste Eigentor. Twitter-Nutzer "Zyneasthesie" existiert nämlich gar nicht. Die richtige Schreibweise lautet nämlich zynaesthesie und wurde vom "Journalisten" Felix Disselhoff gleich mehrfach falsch geschrieben und bis heute nicht korrigiert.
Aber darauf will ich nicht hinaus. Fakt ist, dass Herr Disselhoff unseren Sarkasmus und Zynismus zwar kritisiert, die Hintergründe dazu allerdings - wahrscheinlich aus Unkenntnis - nicht annähernd richtig wiedergibt. So schreibt er beispielsweise
Dass jetzt eine mitten im Leben stehende Anwältin mehreren Menschen das Leben nimmt, bevor sie selbst erschossen wird, gibt erstmalig in Deutschland den Gegnern der Killerspieldebatte ein Argument an die Hand.
Lieber Herr Disselhoff, haben Sie die "Killerspiel-Debatte" überhaupt jemals richtig verfolgt oder auch nur die Statements der konservativen "Alles-Verbieten"-Politiker im Schnelldurchlauf konsumiert? Es wurden in der Vergangenheit zahlreiche, sehr gute und fundierte Argumente GEGEN ein Verbot angeführt. Hier von "erstmalig" zu reden, zeigt von einer journalistischen Qualität, die ich vielleicht von einem Praktikanten erwartet hätte, nicht aber von einem Journalisten, der darin geschult ist, Fakten zu recherchieren (siehe Zitat oben).
Aber kommen wir zurück zum Zynismus und Sarkasmus. Als ich meinen kritisierten Tweet
+++ Vermutlich Amoklauf in Lörrach. +++ Täter eine Frau. +++ Spielte wahrscheinlich Killerspiel "Hello Kitty Online"+++
ins Netz schickte, war noch gar nicht offiziell bekannt, dass es sich um einen "Amoklauf" handelte. Vielmehr bezeichneten zumindest die seriöseren Medien die Situation mit "unklar". Auch das scheint Herrn Disselhoff bei seiner gründlichen Recherche entgangen zu sein.
Ich habe mir jetzt mal die Mühe gemacht und die Berichterstattung von Stern.de über den Vorfall in Lörrach etwas genauer verfolgt. Was mir dabei auffiel möchte ich hier kurz anführen:
Klick-Generierung durch Thematisierung
Was mir sofort aufgefallen ist, ist die hohe Zahl der Beiträge, die sich im direkten Zusammenhang mit dem Amoklauf auf Stern.de wiederfinden. Sage und schreibe 31 Artikel mit eigenständigen Texten konnte ich alleine durch die Suchfunktion auf Stern.de ausmachen. Dazu kommt eine Befeuerung des Nachrichtentickers (Kurznachrichten) teilweise im 15 Minuten Takt mit wiederholenden Meldungen.
Das ist es, was ich persönlich zynisch und sarkastisch nenne. Hier werden, auf Basis einer Tragödie, Page Impressions generiert, die meiner Meinung nach schlicht und einfach die Werbeeinahmen hochtreiben sollen. Dass zahlreiche dieser Artikel das gleiche Subthema enthalten, spricht für meine Theorie und das nenne ich nicht nur zynisch, das nenne ich geschmackloser als alles, was bei Twitter durch die Tweets ging.
Ich zähle mal kurz auf, allerdings ohne zu verlinken, schlicht und einfach, um nicht auch noch für eine Pagerank-Steigerung mit verantwortlich zu sein.
Schlagzeilen direkt auf den Vorfall bezogen:
Vier Tote nach Amoklauf: Das Familiendrama von Lörrach (Videobeitrag)
Wohnhausbrand und Amoklauf in Lörrach: Tödliche Schüsse im Krankenhaus
Lörrach: Tote und Verletzte bei Amoklauf in Klinik
Karte: Amoklauf in Lörrach (damit auch jeder Katastrophentourist den Weg findet (sic!))
Schlagzeilen rund um das Geschehen (Augenzeugen etc.)
Hintergrund: Minutenprotokoll des Amoklaufs
Bluttat in Lörrach: "Komm raus da, komm raus da!"
Blutbad in Lörrach Bilder einer unfassbaren Tat
Extra: Patienten und Klinik-Mitarbeiter werden betreut
Schlagzeilen rund um die Täterin (Fakten und Spekulationen)
Amoklauf in Lörrach: Eine Frau im Ausnahmezustand
Amoklauf in Lörrach: Anwältin tötete Familie vor Explosion
Amokläuferin von Lörrach: Die rätselhafte Todesschützin
Bluttat von Lörrach: Amokläuferin erstickte ihren Sohn
Amoklauf in Lörrach: Kind mit Plastiktüte erstickt
Bluttat von Lörrach: Amokläuferin war eine Sportschützin
Report: Mit 300 Schuss Munition ins Krankenhaus
Schlagzeilen bezüglich der Motivsuche
Amoklauf: Suche nach Motiv läuft auf Hochtouren
Anwältin läuft Amok in Lörrach: War es ein Sorgerechtsstreit?
Amoklauf in Lörrach: Warum tötete die Rechtsanwältin? Video
Amoklauf in Baden-Württemberg: Polizei geht von Beziehungstat aus
Amoklauf von Lörrach: Staatsanwalt geht von Beziehungstat aus Video
Staatsanwalt: Amokläuferin hat ihre Familie getötet
Schlagzeilen bezüglich der Folgen
Nach Amoklauf: Diskussion über Waffenrecht
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Überflüssige Randberichte
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Das nenne ich mal kommerzielles Ausschlachten einer menschlichen Tragödie.
Lieber Herr Dusselhoff, ich bin Blogger und ich twittere. Ich bin im Internet seit nunmehr 15 Jahren bekannt für meinen Sarkasmus und meinen Zynismus und ich bin ehrlich und stehe dazu. Aber die Geschmacklosigkeit, einen solchen Vorfall kommerziell so gnadenlos auszuschlachten und sich dann auch noch über die vermeintlich bösen Internetnutzer herzumachen, das ist kein hochwertiger und gut recherchierter Journalismus, das ist geschmacklose Effekthascherei. Aber in einer Sache gebe ich dem Herren dann doch recht: Dazu sind wir Internetschreiber nun wirklich nicht in der Lage! (oder wir sind uns einfach zu gut für so ein Verhalten...)
Nachtrag:
Till Achinger hat herausgefunden, dass der gut recherchierende Herr Disselhoff weite Teile seines Textes schlicht und einfach inhaltlich kopiert hat - aus einem Artikel seines Kollegen Gerd Blank zum *Tataaa Fanfare Nummer 1* Amoklauf in Winnenden, und zwar bei *Tatataaa Fanfare Nummer 2* Stern.de.
Wäre ich der Chefredakteur des Stern-Online-Ressorts, ich würde Herrn Disselhoff mit sofortiger Wirkung zum Kaffeeholer degradieren - und selbst dafür müsste er noch Geld mitbringen, statt es zu bekommen.
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