Kurz vorweg: ich werde jetzt nicht jeden Tag etwas Neues über die frischesten Informationen schreiben. Das Mitschwimmen auf der Sensationswelle liegt mir nicht so besonders. Was ich hier heute von mir gebe, ist nur die Essenz dessen, was ich mir aus den Medien so zusammengelesen habe.
Die Geschehnisse bei der Loveparade vom Wochenende sind zweifellos tragisch. Peinlich ist allerdings, was sich jetzt im Nachhinein abspielt. Da haben wir beispielsweise die BILD, die sich wieder einmal von der allerübelsten Seite zeigt und schlecht gemachte Bildmanipulationen als Originalfotos verkaufen will (siehe
Bildblog). Als wäre das noch nicht peinlich genug, kriecht auch das "christlich hochheilige Ungetüm" Eva Herman aus einem Loch und verhöhnt die Teilnehmer der Loveparade, als hätten sie es verdient für "ihr schamloses Treiben" (siehe
Stefan Niggemeier und
Thomas Knüwer).
Und als wäre das noch nicht genug, werden jetzt Verantwortlichkeiten hin und her geschoben und niemand will die Schuld übernehmen. Veranstalter Schaller schiebt die Schuld auf die Polizei. Die weist alle Vorwürfe von sich und gibt die Vorwürfe an Schaller und die Stadtverwaltung zurück. Oberbürgermeister Sauerland, der kurz nach dem Unglück die Schuld erstmal proforma auf die Raver schob, gibt sich - wahrscheinlich auch aufgrund dieses Fauxpas - bedeckt und scheut die Öffentlichkeit so gut wie möglich. Im Gegenteil, mittlerweile kommen sogar schon Streitigkeiten wegen eventueller Schadensersatzansprüche ans Tageslicht, die den OB nicht gut aussehen lassen (...Duisburg ist pleite...können keinen Schadensersatz zahlen...).
Wer hat denn nun letztlich Schuld? Die Frage ist einfach zu beantworten: ALLE.
Sowohl Veranstalter, als auch Stadt und Polizei.
Wenn man sich die Fotos und Filmberichte des Geländes anschaut, fällt selbst dem einfältigsten auf, dass dieser Betonschlauch, der als Vorbereich des eigentlichen Eventgeländes genutzt wurde, viel zu verbaut und für den Zweck gar nicht geeignet war. Das hätte die Stadtverwaltung sehen müssen, das hätte der Veranstalter sehen müssen, das hätte die Polizei sehen müssen und das hätten auch die Rettungskräfte im Vorfeld bei einer Begehung sehen müssen. Apropos Begehung - wurde überhaupt eine gemeinschaftliche Begehung mit allen Verantwortlichen unternommen? Wenn man sich die Statements so anhört kann man schnell auf die Idee kommen, das komplette Event wurde, abgesehen vom Veranstalter, von keiner der beteiligten Institutionen mal gemeinschaftlich begutachtet. Ein Plan, wie bei einer Panik vorgegangen werden soll, scheint nicht existent gewesen zu sein. Im Gegenteil, die Menschen waren so eingepfercht, dass nicht mal eine verletzte oder kollabierte Einzelperson von Rettungskräften erreicht werden konnte.
Dabei wäre es relativ einfach gewesen, in diesem Schlauchbereich mit fest montierten Gittern sowohl Zu- als auch Rücklaufbereiche und sogar Rettungsgassen einzurichten. Auch zwei Erste-Hilfe Bereiche wären auf jeden Fall nützlich und machbar gewesen.
Verletzte, Kollabierte (gerade bei dem sommerlichen Wetter und aufgeheizte Menschen) und panische Menschen sind bei anderen Großveranstaltungen einer der ersten Punkte, die abgeklärt werden. In Duisburg scheint man über all das aus rein finanziellen Gründen hinweg geschaut zu haben. Sich jetzt aber gegenseitig die Schuld zuzuweisen, statt sich gemeinsam der Verantwortung zu stellen, ist ein Armutszeugnis aller verantwortlichen Beteiligten.
Schaller will keine neue Loveparade organisieren? Sehr gut, denn wer nach einem Unglück so verfährt, sollte die Finger von solchen Events lassen.
Was letztlich noch geklärt werden müsste sind die Fragen, wessen Köpfe jetzt rollen. In meinen Augen müssten sowohl der OB, als auch der Polizeichef von Duisburg sowie der zuständige Koordinator der Rettungskräfte ihre Sessel räumen. Nicht etwa weil es passiert ist, nein, weil sie sich jetzt trotzig wie kleine Kinder verhalten und nicht bereit sind, ihren Teil der Verantwortung zu tragen.
Soweit meine 2 Cent dazu.
Pressebeispiele:
FTD,
Handelsblatt,
SpOn,
Stern,
FAZ,
RP-Online