Seit Google bekanntgegeben hat, dass sie mit ihrem Street View starten wollen, reißen die Diskussionen darum nicht ab. Für die einen ist es ein Verstoß gegen Datenschutz und Persönlichkeitsrechte, die anderen sehen es nicht ganz so eng - es geht schließlich nur um Gebäude. Die Polizei, in all ihrer unwissenden Naivität, spekuliert sogar, dass Kriminelle es dann einfacher hätten, Wohnungen auszuspähen.
Ursache der größten Ängste ist eine Schwemme von Fehlinformationen, die von den Medien zum Teil noch befeuert werden. Na ja, "von den Medien" ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. In erster Linie geht es um die laut schreienden, viel rote Tinte benutzenden Boulevardklitschen, wie beispielsweise BILD, tz oder Express.
Auf die Spitze treibt die BILD jetzt die Meinungsmache, indem sie wahllos Leute nach ihrer Meinung über Street View befragt, die ganz offensichtlich keine Ahnung haben, was das überhaupt ist. BILD geht sogar noch weiter und veröffentlicht die Statements OHNE darüber aufzuklären, wie es sich mit Street View wirklich verhält. Und damit schüren sie wieder die völlig überzogene Angst vor Googles neuester Mapping-Aktion.
Aber dazu mehr im BILDblog und bei Medienrauschen.
Was ist denn jetzt bei Street View so gefährlich? Werden tatsächlich Grundstücke und Wohnungen überwacht, wie es so viele unwissende Yellow-Press-Opfer glauben?
Nein, das ist natürlich absoluter Blödsinn. Google hat nicht in jeder Straße fest und dauerhaft Kameras installiert (das wäre tatsächlich ein Verstoß gegen geltende Gesetze), sondern hat seine Kamerawagen durch die Städte geschickt, die Straßenzüge aufgenommen haben. Diese Aufnahmen werden nachträglich noch entschärft, so dass weder Gesichter, noch Kfz-Kennzeichen zu identifizieren sind.
Es ist also absoluter Mumpitz, wenn jemand befürchtet, jetzt beim Nachtsonnen beobachtet zu werden oder befürchtet, seine Kinder würden beim Spielen über Street View überwacht. Warum sich übrigens ausgerechnet Deutschlands A- und B-Prominenz dafür hergibt, in einer Zeitung als völlige Idioten dazustehen, werde ich wahrscheinlich genauso wenig verstehen, wie die Aufregung um Street View selbst. Schließlich kann man über das Satellitenbild in Google Maps sämtliche Häuser schon seit Jahren von oben sehen.
Oh verdammt, hoffentlich liest BILD das jetzt nicht...
Sonntag, 15. August 2010
Google Street View - der Aufreger, der es nicht wert ist
Donnerstag, 12. August 2010
Politik ist böse, Blumen sind schön (Serie Teil 4)
Viele Bürger in Deutschland sind sauer und resignieren trotzdem fast über die seltsamen Entscheidungen und Ankündigungen, die unsere Politiker täglich von sich geben. Durch die modernen Kommunikationsmöglichkeiten verbreiten sich diese Dinge aber heute schneller in der Bevölkerung. Wo wir früher noch völlig überraschend vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, sind wir heute in der Lage, bereits im Vorfeld von wichtigen Entscheidungen oder Vorhaben zu erfahren und – das halte ich für das Wichtigste – uns darüber auszutauschen und von Fall zu Fall Initiative zu zeigen. Was früher noch im kleinen Kreis diskutiert wurde, kann heute überregional publik gemacht werden und zeigt, dass man oftmals nicht alleine mit seiner Meinung ist.
Auch die Politik hätte die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, um Stimmungen und Meinungen einzufangen und sich ein Bild über die Stimmungslage zu machen. Stattdessen verweilt sie in längst vergangenen Zeiten und sonnt sich in der eigenen, für Politiker typischen Arroganz.
Das ärgert mich gewaltig und das ärgert auch viele andere.
Aber das ist nur ein Punkt, der mir bitter aufstößt. Was mir an unserer Politik mächtig auf den Zeiger geht, möchte ich heute abschließend als vierten Teil meiner Miniserie mal auflisten.
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Auch die Politik hätte die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, um Stimmungen und Meinungen einzufangen und sich ein Bild über die Stimmungslage zu machen. Stattdessen verweilt sie in längst vergangenen Zeiten und sonnt sich in der eigenen, für Politiker typischen Arroganz.
Das ärgert mich gewaltig und das ärgert auch viele andere.
Aber das ist nur ein Punkt, der mir bitter aufstößt. Was mir an unserer Politik mächtig auf den Zeiger geht, möchte ich heute abschließend als vierten Teil meiner Miniserie mal auflisten.
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Montag, 9. August 2010
Subventioniertes Lohndumping – der Staat ist blind und dumm (Serie Teil 3)
Im dritten Teil der Serie lasse ich mal meinen Gedanken zum Thema Lohndumping freien Lauf.
Lohndumping ist eigentlich ein verharmlosendes Wort für den Begriff Ausbeutung. Letzteres Wort wird von Politikern allerdings eher ungern in den Mund genommen. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Prinzip des Lohndumpings von der Politik geschützt und gefördert wird. In der Politik nennt man Lohndumping nämlich nicht "Ausbeutung", sondern "Chance zur Wiedereingliederung" oder "Niedriglohnsparte".
Letzte Woche hätte ich fast meine Tastatur mit den halbverdauten Resten meiner Mittagsmahlzeit beschmutzt, die sich mit Schwung einen Weg zurück ans Tageslicht bahnen wollte, als ich folgenden Satz las:
Der Satz stammt aus dem Ministerium unserer Lügenministerin Ursula von der Leyen (Aktuell: Die Schwedenmodell-Lüge) und mit Transferempfänger sind, wie sollte es anders sein, die ALG-II-Empfänger gemeint, die hier wieder einmal ungeschickt für etwas verantwortlich gemacht werden, was die Politik verbockt hat: den Niedriglohnsektor.
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Lohndumping ist eigentlich ein verharmlosendes Wort für den Begriff Ausbeutung. Letzteres Wort wird von Politikern allerdings eher ungern in den Mund genommen. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Prinzip des Lohndumpings von der Politik geschützt und gefördert wird. In der Politik nennt man Lohndumping nämlich nicht "Ausbeutung", sondern "Chance zur Wiedereingliederung" oder "Niedriglohnsparte".
Letzte Woche hätte ich fast meine Tastatur mit den halbverdauten Resten meiner Mittagsmahlzeit beschmutzt, die sich mit Schwung einen Weg zurück ans Tageslicht bahnen wollte, als ich folgenden Satz las:
Das Lohnabstandsgebot - dass Transferempfänger nicht mehr Geld erhalten sollen als berufstätige Bürger - sei dabei "eine Leitplanke in der Diskussion"
Der Satz stammt aus dem Ministerium unserer Lügenministerin Ursula von der Leyen (Aktuell: Die Schwedenmodell-Lüge) und mit Transferempfänger sind, wie sollte es anders sein, die ALG-II-Empfänger gemeint, die hier wieder einmal ungeschickt für etwas verantwortlich gemacht werden, was die Politik verbockt hat: den Niedriglohnsektor.
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Tags für diesen Artikel: arbeitsmarkt, discounter, leiharbeit, lohndumping, niedriglohn, politik, serie
Sonntag, 8. August 2010
Wie man Arbeitslose erschafft - (Serie Teil 2)
Willkommen zum zweiten Teil meiner rein subjektiven Serie über das Zusammenwirken verschiedenster Umstände zur politisch vermurksten Gesamtsituation. Heute mache ich mir ein paar Gedanken über die hohe Arbeitslosigkeit und ihre Ursachen.
Der Fortschritt wird nachteilig genutzt
Wie beim schlechten Ruf der Arbeitslosen, gibt es auch hierbei mehrere Faktoren.
Das Hauptproblem liegt, so bizarr und paradox es sich auch anhört, im technischen Fortschritt. Ich meine damit explizit die fortschreitende Automatisierung, die in den 1970ern begann, in den 1980ern fast explodierte und heute, dank der modernen Computer- und Robotertechnik, nicht mehr aufzuhalten ist. Die Automatisierung hat unzählige Arbeitsstellen gekostet und wird in Zukunft noch mehr Menschen den Job kosten.
Ich bitte mich hier nicht falsch zu verstehen. Ich bin kein Gegner des technischen Fortschritts. Er hat in der Vergangenheit viel dazu beigetragen, die Gesundheit und das Leben der Menschen zu verbessern – auch arbeitstechnisch. In vielen Berufen, die sich nachhaltig schlecht auf die Gesundheit auswirken, arbeiten heute bereits computergesteuerte Roboter. Ich möchte da nur mal die Schweiß- und Lackierroboter der Autoindustrie als Beispiel anführen.
Der Trend geht allerdings schon lange dahin, die Automatisierung zu Rationalisierungszwecken einzusetzen. Auch da kann ich ein Beispiel anführen - die Lebensmittelindustrie. Mittlerweile hat jeder Supermarkt seine vertragliche Großbäckerei, viele Großbäckereien haben zudem mit ihren Zweigstellen kleine Handwerksbetriebe verdrängt, die mit dem Preisdruck einer „Brot- und Brötchenschleuder“ einfach nicht mithalten konnten.
Ich könnte hier noch zahlreiche Beispiele aus allen möglichen Industrie- und Handwerksbereichen anführen, aber das würde zu nichts führen, außer der Verschwendung von Zeit. Aber ich denke, jeder von uns hat schon mal Vollautomaten irgendwo gesehen und weiß, wovon ich rede.
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Der Fortschritt wird nachteilig genutzt
Wie beim schlechten Ruf der Arbeitslosen, gibt es auch hierbei mehrere Faktoren.
Das Hauptproblem liegt, so bizarr und paradox es sich auch anhört, im technischen Fortschritt. Ich meine damit explizit die fortschreitende Automatisierung, die in den 1970ern begann, in den 1980ern fast explodierte und heute, dank der modernen Computer- und Robotertechnik, nicht mehr aufzuhalten ist. Die Automatisierung hat unzählige Arbeitsstellen gekostet und wird in Zukunft noch mehr Menschen den Job kosten.
Ich bitte mich hier nicht falsch zu verstehen. Ich bin kein Gegner des technischen Fortschritts. Er hat in der Vergangenheit viel dazu beigetragen, die Gesundheit und das Leben der Menschen zu verbessern – auch arbeitstechnisch. In vielen Berufen, die sich nachhaltig schlecht auf die Gesundheit auswirken, arbeiten heute bereits computergesteuerte Roboter. Ich möchte da nur mal die Schweiß- und Lackierroboter der Autoindustrie als Beispiel anführen.
Der Trend geht allerdings schon lange dahin, die Automatisierung zu Rationalisierungszwecken einzusetzen. Auch da kann ich ein Beispiel anführen - die Lebensmittelindustrie. Mittlerweile hat jeder Supermarkt seine vertragliche Großbäckerei, viele Großbäckereien haben zudem mit ihren Zweigstellen kleine Handwerksbetriebe verdrängt, die mit dem Preisdruck einer „Brot- und Brötchenschleuder“ einfach nicht mithalten konnten.
Ich könnte hier noch zahlreiche Beispiele aus allen möglichen Industrie- und Handwerksbereichen anführen, aber das würde zu nichts führen, außer der Verschwendung von Zeit. Aber ich denke, jeder von uns hat schon mal Vollautomaten irgendwo gesehen und weiß, wovon ich rede.
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Samstag, 7. August 2010
Der schlechte Ruf der Arbeitslosen – ein Spiegelbild verfehlter Politik (Serie Teil 1)

Bier und Sofa - Medienbild des deutschen Arbeitslosen
Woher rührt der schlechte Ruf der Arbeitslosen?
Die Stigmatisierung der Arbeitslosen begann mit der Umstrukturierung der Arbeitslosenbezüge unter Leitung von Peter Hartz, besser bekannt als Hartz-4-Reform.
Wo früher die Unterteilung Arbeitslosengeld (im ersten Jahr), Arbeitslosenhilfe (im zweiten Jahr) und Sozialhilfe (ab dem dritten Jahr) griff, wurden Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe nun zum Arbeitslosengeld II zusammengelegt. Damals galten Sozialhilfeempfänger als schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose, während Arbeitslosenhilfeempfänger wesentlich bessere Karten hatten, noch eine Stelle zu bekommen. Mit der Zusammenlegung galten jetzt Menschen mit mehr als 12 Monaten ohne Beschäftigung bereits als Langzeitarbeitslose, was aus den Köpfen vieler Personalchefs nicht heraus zu bekommen ist. Denn bei ALG-II-Empfängern befürchten viele Unternehmer eine problematische Wiedereingliederung.
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